Liebe Leser,

als erfahrene Texterin war ich über den Erfahrungsbericht von B.K. doch sehr bestürzt. Natürlich gibt es – wie in jeder Branche – auch unter den Textern „schwarze Schafe“. Ich bitte jedoch darum, das nicht auf alle Texter zu übertragen. Es gibt nämlich sehr wohl zuverlässige Texter, die sich mit dem Content-Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen und es sich nicht leisten können, potenzielle Kunden zu vertreiben.

Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen und das Thema Honorar ansprechen, da es hierüber immer wieder Diskussionen gibt. Wir Texter müssen oft damit leben, dass unsere Arbeit nicht entsprechend honoriert wird. Häufig habe ich das Gefühl, dass Auftraggeber der Meinung sind, dass ein Text innerhalb weniger Minuten geschrieben ist und nicht mehr wert ist als wenige Cents. Welche Arbeit tatsächlich dahintersteckt, können die meisten Kunden nicht abschätzen.

Gehen wir mal davon aus, dass ein Kunde einen Fachartikel über das Thema Vitamin-B-Mangel benötigt, indem auch gleichzeitig ein neues Vitamin-B-Komplex-Nahrungsergänzungsmittel vorgestellt wird. Er wünscht sich (natürlich) hochwertigen Content, der dem Leser einen Mehrwert bietet. Alle Informationen müssen korrekt sein und es wird gewünscht, passende Studien herauszusuchen. Der Text soll mindestens 1.500 Wörter besitzen plus Quellenangaben.



Wie geht jetzt ein professioneller Texter vor? Zunächst wird ausgiebig recherchiert. Was ist Vitamin B eigentlich? Ah okay, Vitamin B umfasst mehrere Vitamine wie B12, Folsäure und so weiter. Für welche Körperfunktionen sind die einzelnen Vitamine wichtig? In welchen Nahrungsmitteln sind B-Vitamine enthalten? Wann ist eine zusätzliche Zufuhr sinnvoll? Welche Studien können herangezogen werden? Viele Studien existieren lediglich in englischer Sprache, weshalb hier auch Übersetzungen anfallen. Zu guter Letzt wird noch das Nahrungsergänzungsmittel des Kunden vorgestellt. Hier muss ich vorsichtig sein und mich an die Health-Claim-Verordnung halten. Es wird also wieder recherchiert. Alle erforderlichen Informationen wurden zusammengetragen und der Text wird geschrieben. Danach wird noch hier und da an dem Text gefeilt. Es folgt die Korrekturlesung und die Plagiatsprüfung. Der Text ist fertig. Insgesamt habe ich für den Text ca. 7 Stunden benötigt.

Der Kunde hält nun ein Honorar in Höhe von 3 Cent pro Wort für angemessen. Das wären also 45 Euro. Bei 7 Stunden Arbeit wäre das ein Stundenlohn von 6,43 Euro. Ziehe ich hiervon meine Kosten wie Einkommenssteuer etc. ab, wäre das ein Stundenlohn von ungefähr 4 Euro. Und jetzt mal ganz ehrlich: Wer würde für solch einen Stundenlohn arbeiten???

Nehmen wir an, ein Kunde für einen Programmierer beauftragen, eine Webseite zu bauen. Der Programmierer benötigt ebenfalls 7 Stunden und stellt dafür einen Stundenlohn in Höhe von 45 Euro in Rechnung. Das wären 315 Euro. Würde hier ein Kunde versuchen, den Programmierer auf einen Stundenlohn von 4 Euro zu drücken?? Bestimmt nicht.

Deshalb möchte ich hier alle ansprechen, die gute Texter suchen: Bitte honoriert Texter entsprechend. Sie möchten Billigcontent einkaufen? Gut, Texte gibt es auch für 1 Cent. Aber würden Sie nicht auch skeptisch werden, wenn ein Programmierer einen Stundenlohn von 4 Euro in Rechnung stellt? Vielleicht würden Sie es probieren, weil der Preis unschlagbar ist. Das Ergebnis ist allerdings verheerend und Sie müssen einen neuen Programmierer beauftragen, der alles überarbeitet. Am Ende haben Sie sogar noch darauf gezahlt.

T.B.